„Können Sie die Klassenarbeits-Pflicht abschaffen, bitte?“

Dr. Gerhard Papke sprach im Städtischen Ratsgymnasium Gladbeck mit Fünftklässlern.

Schulleiter Hans-Christoph Pocha (links) ging persönlich mit dem Mikrofon herum.

Schulleiter Hans-Christoph Pocha (links) ging persönlich mit dem Mikrofon herum.

Gerade hatten die 10-bis 11-jährigen Schülerinnen und Schüler die UN-Kinderrechte im Unterricht durchgenommen und Plakate dazu gemalt. Dass sie z.B. ein Recht auf kostenlose Bildung, auf Gesundheitsvorsorge und Freizügigkeit haben, wussten sie deshalb bereits. Auch was Meinungsfreiheit ist: „Jeder darf seine eigene Meinung sagen und die Partei wählen, die er wählen möchte“, fasste Gerhard Papke zusammen. „Aber die Politik ist nicht dafür verantwortlich, dass ihr ein glückliches Leben habt. Was glücklich macht, muss jeder für sich selbst entscheiden, und jeder ist auch für sein Leben verantwortlich.“ Um Regeln des Zusammenlebens, die dafür sorgen, dass wir friedlich und geschützt so leben können, wie wir möchten, ging es also im Verlauf der ersten Stunde in der Aula. Dann wurden viele Fragen gestellt.

„Was halten Sie von dem Erdogan-Gedicht?“, wollten die Kinder wissen. Sie hatten alle davon gehört. „Ich halte Satire für wichtig und eigentlich darf Satire alles“, sagte der Vizepräsident. „Aber dies war eine Aneinanderreihung von persönlichen Beleidigungen. Wo endet die Meinungsfreiheit? Das ist eine schwierige Frage! Was meint ihr, wer ist dafür, dass Herr Böhmermann bestraft wird für das Gedicht?“ Eine knappe Mehrheit der Anwesenden meldete sich. „Ob jemand bestraft wird, entscheiden bei uns in Deutschland unabhängige Gerichte“, erklärte Papke. „Das ist wichtig. Wenn man das Gefühl hat, bei uns im Rechtsstaat beleidigt worden zu sein, kann man eine Strafanzeige stellen“.

Muss man studieren, um Politiker werden zu können, wurde gefragt. Ob er Frau Merkel mal getroffen habe? Und welches Gesetz er abschaffen würde, wenn er könnte? „Das Tariftreuegesetz würde ich wieder abschaffen“, lautete die Antwort, „in der Zeit von 2005 bis 2010 habe ich geholfen, etliche überflüssige bürokratische Gesetze abzuschaffen.“ Die meisten Reaktionen aber kamen auf Papkes Antwort zu der Frage nach seinem Lieblingsfußballverein. Der Politiker, der nicht weit entfernt von Gladbeck (und zwar in Recklinghausen) geboren wurde, ist Mitglied im Wirtschaftsrat von Borussia Dortmund. Schmunzelnd sagte Papke: „Ich bin Fan vom BVB. Das müssen auch die Schalke-Fans unter euch ertragen.“

Eine Zehnjährige fragte: „Warum werden Kinder mit Förderbedarf an unser Gymnasium geschickt? Sie könnten doch woanders besser gefördert werden“. Alle Kinder müssten die gleichen Chancen haben, antwortete Papke. Irgendein Handicap habe eigentlich jeder. Aber richtig sei, dass für manche Kinder das spezielle Angebot an Förderschulen besser geeignet wäre. „Ich werbe dafür, dass die Förderschulen erhalten bleiben, denn dort wird eine hervorragende Arbeit für die Kinder geleistet “.

„Können Sie die Klassenarbeits-Pflicht abschaffen, bitte?“, wünschten sich einige Schüler vom Vizepräsidenten. Klassenarbeiten seien eine sehr wichtige Leistungsabfrage, erklärte Gerhard Papke, eine Kontrolle des Wissensstands, nicht nur für Lehrer, sondern auch für die Schüler selbst. Ob sie denn ohne Klassenarbeiten immer genauso fleißig wären, fragte er zurück. Und viele seiner jungen Gesprächspartner schüttelten lachend den Kopf.

Zum Schluss ging es noch um das wichtige Thema Drogen. Was er vom Drogenskandal um Volker Beck halte, lautete die Frage. „Er war ein sehr schlechtes Vorbild. Das würde ich auch sagen, wenn er ein Politiker meiner Partei wäre“, sagte Papke und plädierte an die Schülerinnen und Schüler: „Nehmt keine Drogen, die sind gefährlich. Ich bin gegen Rauschgift jeder Art!“

 

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